1942-07-11: XVII. Teiltransport

Abfahrtsdatum: 11.07.42, Deportierte: 210 (nur Berlin, Gesamtstärke: 1002), Deportationsziel: Auschwitz

Wie aus der Vorstandssitzung der Reichsvereinigung vom 8.7.42 hervorgeht, wurde der “Abwanderungstransport aus Berlin am 11. ds. Mts. unter Berücksichtigung der Anschlusstransporte aus den Bezirken der Staatspolizeileitstellen Hamburg, Magdeburg und Stettin” vorbereitet [Bundesarchiv, R 8150/2]. Mit Hilfe der Statistik der Reichsvereinigung lässt sich ermitteln, dass insgesamt 1002 Menschen in diesem Sammeltransport deportiert wurden, in den neben dem Berliner Teiltransport auch Juden aus den Gestapobereichen Bielefeld, Dortmund, Osnabrück, Hamburg, Schwerin und Braunschweig (504 Deportierte), Köslin, Stettin und Frankfurt/Oder (188 Deportierte) sowie Magdeburg und Dessau (100 Deportierte) “eingeschleust” wurden. Von den 210 Deportierten des Berliner Teiltransports kamen 199 aus Berlin und 11 aus dem Bereich der Gestapo Potsdam.

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Lange Zeit ungeklärt war das Ziel dieses Deportationstransports. Sowohl Warschau als auch Auschwitz wurden in der Literatur genannt. Hinzu kommt, dass selbst die Angaben der verschiedenen zuständigen Gestapo- und Oberfinanzbehörden widersprüchlich sind. So ist auf der ersten Seite der Berliner Transportliste handschriftlich vermerkt: “Transport v. 11.7.42 zu Hamburg nach Auschwitz” (siehe Kopie). Die am 16.7.42 von der Berliner Gestapo an den OFP Berlin-Brandenburg gesandte “Liste der Personen, deren Vermögen verfallen, bezw. eingezogen ist” (mit Datum vom 25.6.42) ist gleichfalls überschrieben mit: “XVII. Teiltransport nach Auschwitz am 11.7.1942”, jedoch ist “nach Auschwitz” hier nachträglich unkenntlich gemacht worden (siehe Kopie unten im Anschluss an die Transportliste). Zudem ist das Vermögen der in der Liste aufgeführten Personen als verfallen angegeben, womit nach den einschlägigen gesetzlichen Regelungen eine Deportation mit Überschreiten der Reichsgrenze vorgelegen hätte. In einem Schreiben des Oberfinanzpräsidenten in Magdeburg vom 23.10.42 wird dagegen auf “die am 14. April 1942 von der Staatspolizeileitstelle Magdeburg in das Generalgouvernement (Ausland) abgeschobenen Juden” und auf “die am 11. Juli 1942 von der Staatspolizeileitstelle Magdeburg umgesiedelten Juden (im Inland verblieben)” Bezug genommen [Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, G 1, 390]. Damit kann der Transport vom 11.7.42 nicht nach Warschau (Ausland) gelangt sein, sondern tatsächlich Auschwitz im oberschlesischen Regierungsbezirk Kattowitz (Inland) zum Ziel gehabt haben. Den Nachweis liefert schließlich ein Schreiben der Gestapo Braunschweig an den OFP in Hannover (siehe hier), in dem unmissverständlich Auschwitz als Deportationsziel für den Transport vom 11.7.1942 genannt wird [NLA Hannover, Hann.210 Acc.160-98, Nr. 5].

Zeitlich parallel erfolgte am 17.7.42 auch erstmals ein Transport von annähernd 1000 Juden aus Wien nach Auschwitz, wobei in diesem Fall der Zielort aufgrund der Vermerke zu den Reisekosten der begleitenden Polizisten eindeutig dokumentarisch belegt werden kann [J. Moser, in: W. Benz (Hrsg.), Dimension des Völkermords, München 1991, 86], siehe Kopie [Yad Vashem Archives, M.38/76]. Wie für Berlin ist auch für den Transport aus Wien die Benennung des Zielorts “Auschwitz” bzw. “Konzentrationslager Auschwitz” in einem amtlichen Schreiben nachträglich unkenntlich gemacht worden, wobei in dem Schreiben des Wiener Kommandos der Schutzpolizei der Vermerk “Zielort amtsbekannt” handschriftlich eingefügt wurde, siehe Kopie [Yad Vashem Archives, M.38/76]. Dies lässt vermuten, dass die Unkenntlichmachung für die Juli-Transporte nach Auschwitz aus Gründen der Geheimhaltung behördlicherseits angeordnet wurde. Da in Auschwitz für diesen und für die obengenannten Transporte aus dem Deutschen Reich keine Häftlingsnummern vergeben wurden, muss angenommen werden, dass sämtliche Deportierte unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet wurden.